Bedeutung

Fard

فَرْض

fard · fard (reimt sich auf das englische Wort 'hard')

Fard bezeichnet im islamischen Recht eine durch eindeutige und endgültige Belege begründete Pflicht – die strengste Kategorie religiöser Verpflichtungen, deren Vernachlässigung ohne Entschuldigungsgrund sündhaft ist.

Alternative Schreibweisen

Fard / Fardh / Farḍ / Fardu / Faird

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Was ist Fard?

Fard leitet sich von der arabischen Wortwurzel f-r-d ab, die „schneiden“, „einkerben“ oder „anordnen“ bedeutet und das Bild einer festgelegten, gleichsam eingemeißelten Pflicht hervorruft. In der islamischen Rechtslehre bezeichnet Fard die höchste und verbindlichste Kategorie einer Verpflichtung: eine Handlung, die Allah durch eindeutige, endgültige Textbelege vorgeschrieben hat, sodass kaum oder kein Raum für gelehrte Meinungsverschiedenheiten über ihre Verbindlichkeit bleibt. Innerhalb der fünf Kategorien rechtlicher Bewertungen steht Fard an oberster Stelle, gefolgt von Mustahabb (empfohlen), Mubah (neutral), Makruh (verpönt) und Haram (verboten).

Rechtsgelehrte teilen Fard in zwei wichtige Kategorien ein. Fard al-Ayn ist eine individuelle Pflicht, die jeder religiös verantwortliche Muslim persönlich erfüllen muss; klassische Beispiele sind die fünf täglichen Gebete, das Fasten im Ramadan und die Zakat. Fard al-Kifayah ist dagegen eine gemeinschaftliche Pflicht: Kommt eine ausreichende Anzahl von Muslimen in der Gemeinschaft ihr nach, entfällt sie für alle anderen. Erfüllt sie jedoch niemand, trägt die gesamte Gemeinschaft Mitschuld. Das Totengebet (Salat al-Janazah) sowie das Vorhandensein qualifizierter Gelehrter und Richter in einer Gemeinschaft werden häufig als Fard al-Kifayah angeführt.

Unter den vier sunnitischen Madhhabs besteht im Wesentlichen Einigkeit über die grundlegenden Fard-Pflichten, da sie sich auf den Koran und die mutawatir oder anderweitig sicher überlieferte Sunnah stützen. Die wichtigste fachliche Nuance findet sich in der hanafitischen Rechtsschule. Sie behält den Begriff Fard streng solchen Pflichten vor, die auf qat'i, also endgültigen Belegen beruhen, und verwendet für Pflichten aus zanni, also wahrscheinlichen Belegen, den Begriff Wajib. Die malikitische, schafiitische und hanbalitische Rechtsschule treffen diese sprachliche und rechtliche Unterscheidung im Allgemeinen nicht, sondern verwenden beide Begriffe synonym.

Im Alltag bestimmt das Wissen darum, was Fard ist, wie Muslime ihre Gottesdienste und Prioritäten ordnen. Die fünf täglichen Gebete werden zu festgelegten Zeiten und ungeachtet der jeweiligen Umstände verrichtet. Jeder gesunde erwachsene Muslim fastet während des gesamten Ramadan. Wer die Vermögensgrenze erreicht, berechnet und entrichtet jährlich die Zakat. Und wer körperlich und finanziell dazu imstande ist, vollzieht mindestens einmal den Hadsch. Diese Handlungen bilden das praktische Rückgrat des islamischen Glaubenslebens.

Da Fard-Regelungen auf den eindeutigsten Belegen beruhen, behandeln Gelehrte ihre Leugnung traditionell als Glaubensfrage und nicht nur als Verstoß gegen eine Rechtsnorm. Wer tatsächlich glaubt, das Gebet sei nicht verpflichtend, verlässt die Grenzen des orthodoxen Glaubens. Wer hingegen aus Schwäche nicht betet, begeht eine Sünde, bleibt aber gläubig und bedarf der Reue.

Beispiele für Fard

  • Die fünf täglichen Gebete: Salah bei Morgendämmerung, mittags, nachmittags, bei Sonnenuntergang und nachts ist für jeden geistig gesunden erwachsenen Muslim Fard al-Ayn.
  • Fasten im Ramadan: Sawm während des Ramadan ist für jeden gesunden erwachsenen Muslim, der fasten kann, Fard.
  • Zakat: Die verpflichtende jährliche Abgabe auf anrechenbares Vermögen ist für jeden Muslim Fard, der die Nisab-Grenze erreicht.
  • Das Totengebet: Salat al-Janazah ist Fard al-Kifayah. Die Pflicht der Gemeinschaft gilt somit als erfüllt, sobald genügend Muslime es für den Verstorbenen verrichten.

Belege aus Koran & Hadith

„O ihr, die ihr glaubt! Euch ist das Fasten vorgeschrieben, wie es denjenigen vor euch vorgeschrieben war, damit ihr gottesfürchtig werdet.“ — Sure Al-Baqarah 2:183

„Und verrichtet das Gebet und entrichtet die Zakat. Was ihr für euch selbst an Gutem vorausschickt, werdet ihr bei Allah vorfinden.“ — Sure Al-Baqarah 2:110

Der Gesandte Allahs ﷺ sagte, der Islam sei auf fünf Säulen errichtet: dem Glaubensbekenntnis, dem Verrichten des Gebets, dem Entrichten der Zakat, dem Fasten im Ramadan und dem Hadsch für diejenigen, die dazu imstande sind. — Sahih Muslim 16

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Fard im Islam?

Fard bezeichnet eine von Allah auferlegte Pflicht, die durch eindeutige und endgültige Belege im Koran oder in der Sunnah feststeht und von Muslimen erfüllt werden muss.

Was ist der Unterschied zwischen Fard al-Ayn und Fard al-Kifayah?

Fard al-Ayn ist eine individuelle Pflicht, die jeder Muslim persönlich erfüllen muss, etwa die fünf täglichen Gebete. Fard al-Kifayah ist dagegen eine gemeinschaftliche Pflicht, zum Beispiel das Totengebet, die als erfüllt gilt, wenn genügend Mitglieder der Gemeinschaft ihr nachkommen.

Hat Fard in jeder Madhhab dieselbe Bedeutung?

Über die grundlegenden Pflichten herrscht unter den vier sunnitischen Madhhabs Einigkeit. Die hanafitische Rechtsschule verwendet Fard jedoch speziell für Pflichten, die auf endgültigen Belegen beruhen, und Wajib für Pflichten mit starken, aber nicht endgültigen Belegen. Diese Unterscheidung treffen die anderen drei Rechtsschulen gewöhnlich nicht.

Was geschieht, wenn eine Fard-Handlung unterlassen wird?

Eine Fard-Handlung ohne triftigen Grund zu unterlassen gilt als schwere Sünde. Ihre Verbindlichkeit grundsätzlich zu leugnen wird als Abkehr vom rechten Glauben betrachtet, da Fard auf unmissverständlichen Belegen beruht.

Welche Beispiele gibt es für Fard-Handlungen?

Die fünf täglichen Gebete, das Fasten im Ramadan, die Entrichtung der Zakat und – sofern man dazu in der Lage ist – die Verrichtung des Hadsch sind klassische Beispiele für individuell verpflichtende Fard-Handlungen.